ADHS und Suchterkrankungen treten überdurchschnittlich häufig gemeinsam auf. Das ist kein Zufall, sondern hat nachvollziehbare neurobiologische und psychologische Gründe. Dieser Beitrag erklärt den Zusammenhang – und warum eine Diagnose oft Teil der Lösung statt des Problems ist.

Wie eng der Zusammenhang ist

Studien zeigen, dass Menschen mit ADHS deutlich häufiger eine Suchterkrankung entwickeln als die Allgemeinbevölkerung – sei es im Zusammenhang mit Alkohol, Nikotin, Cannabis oder anderen Substanzen. Auch Verhaltenssüchte wie problematisches Spielen, exzessives Gaming oder Kaufen kommen häufiger vor.

Warum das Risiko erhöht ist

Selbstmedikation

Viele Betroffene versuchen – oft unbewusst – ihre Symptome mit Substanzen zu regulieren. Nikotin oder Koffein können kurzfristig die Konzentration steigern, Alkohol oder Cannabis die innere Unruhe dämpfen. Diese „Selbstmedikation" lindert kurzfristig, schafft aber langfristig neue Probleme.

Dopamin und das Belohnungssystem

Das ADHS-Gehirn arbeitet im Belohnungssystem anders. Substanzen, die schnell und stark Dopamin ausschütten, wirken besonders verlockend. Mehr zum neurobiologischen Hintergrund im Beitrag zu den ADHS-Ursachen.

Impulsivität

Impulsives Verhalten und ein „Jetzt sofort"-Denken erschweren es, langfristige Folgen abzuwägen – ein bekannter Risikofaktor für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Süchten.

Schützt eine ADHS-Behandlung – oder gefährdet sie?

Eine verbreitete Sorge: Machen Stimulanzien nicht abhängig? Die Forschung zeichnet ein klares Bild – eine leitliniengerechte, fachärztlich begleitete medikamentöse Behandlung erhöht das Suchtrisiko nicht, sondern senkt es bei vielen Betroffenen sogar, weil das Bedürfnis nach Selbstmedikation abnimmt. Bei bestehender Suchterkrankung wird die Behandlung individuell und besonders sorgfältig abgestimmt.

Wenn beides vorliegt: Behandlung der Komorbidität

Bestehen ADHS und eine Suchterkrankung gleichzeitig, ist eine abgestimmte Behandlung beider Bereiche entscheidend. Wird nur die Sucht behandelt und das ADHS übersehen, bleibt ein wesentlicher Auslöser bestehen – Rückfälle werden wahrscheinlicher. Eine sorgfältige Diagnostik klärt deshalb immer auch Begleiterkrankungen ab.

Erster Schritt zur Klarheit

Wenn Sie vermuten, dass hinter Suchtmustern ein unerkanntes ADHS stehen könnte, ist eine Abklärung sinnvoll. Ein unverbindlicher Einstieg ist unser kostenloses Screening.

Hinweis: Suchterkrankungen sind ein sensibles Thema. Wenn Sie persönlich betroffen sind und Unterstützung suchen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder eine Suchtberatungsstelle – wir helfen Ihnen auf Wunsch, die richtige Anlaufstelle zu finden.

Häufige Fragen

Machen ADHS-Medikamente abhängig?

Eine leitliniengerechte, fachärztlich begleitete Behandlung mit Stimulanzien erhöht das Suchtrisiko nach aktueller Studienlage nicht. Bei vielen Betroffenen sinkt es sogar, weil das Bedürfnis nach Selbstmedikation abnimmt. Bei bestehender Suchterkrankung wird die Behandlung besonders sorgfältig abgestimmt.

Kann ADHS auch mit anderen Erkrankungen auftreten?

Ja, ADHS tritt häufig gemeinsam mit Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen auf. Eine umfassende Diagnostik berücksichtigt diese möglichen Begleiterkrankungen.

Warum trinken oder rauchen Menschen mit ADHS häufiger?

Oft handelt es sich um unbewusste Selbstmedikation: Substanzen können kurzfristig Unruhe dämpfen oder die Konzentration steigern. Zusammen mit Impulsivität und einem anders funktionierenden Belohnungssystem erhöht das die Anfälligkeit für Suchtverhalten.